WMDE-Jahresplan 2015: Mit etwas Abstand

Vor drei Wochen habe ich bereits über den Entwurf für den Jahresplan 2015 von Wikimedia Deutschland geschrieben (Beitrag vom 2. Oktober). Seither gab es einige Diskussionen zum Jahresplan, und ich kann manche Dinge nochmal mit etwas Abstand betrachten.

Zuerst muss ich mich in einem Punkt korrigieren: Ich habe angemerkt, dass die neu geschaffenen Referate Management-Beratung, Internationales und Politikberatung nicht im Budget auftauchten. Dabei habe ich übersehen, dass sie dem Vorstandsetat zugerechnet werden (Position 37). Eine Aufschlüsselung der Besetzung gibt es im Jahresplan nicht. In der Diskussion zum Jahresplan sowie zum FDC-Antrag wurden die Zahlen 1 FTE (Vollzeitstelle) für Internationales und 0,5 FTE für Politikberatung genannt.

Im Gesamten bleibt für mich der Eindruck eines unausgewogenen Jahresplans. Auf der einen Seite haben wir ein Ende des stetigen Wachstums. Das Team Communities beispielsweise erfährt eine personelle Nullrunde, obwohl es – vorsichtig formuliert – selten über Langeweile klagt. Der Gesamtetat ist sogar noch kleiner als der im Nachtragshaushalt 2014 – und dieser war schon um ein gutes Drittel geringer als ursprünglich vorgesehen. Das Themenfeld „Politik“ aus dem bisherigen Bereich Politik und Gesellschaft wird mehr oder weniger auf eine halbe Stelle reduziert. Die nationale Politik wird gar nicht mehr berücksichtigt, es dreht sich nur noch um die Europäische Union. Das ist mittelfristig sinnvoll. Dennoch wäre auch die Bundespolitik ein wichtiger Aufgabenbereich für das Referat Politikberatung. Dafür fehlt jedoch das Geld.

Auf der anderen Seite haben wir den Bereich Software-Entwicklung, der erneut um 4,75 Vollzeitstellen wachsen soll (ungefähr eine Stelle davon wird nur aus dem Team Communities verschoben). Konkret handelt es sich bei diesen Stellen laut einer Erklärung in der FDC-Diskussion um 0,75 FTE Tech Liaison, 2 FTE Community Project Team, 1 FTE Wikidata, 1 FTE Assistant to the Head of Software Development. Keine dieser Stellen ist offensichtlich überflüssig oder nicht zu rechtfertigen. Mir fehlt aber immer noch die Begründung, weshalb in allen anderen Bereichen gespart werden muss, aber die Software-Entwicklung weiter ausgebaut werden kann.

Das zweite zentrale Problem ist für mich die schon in meinem vorherigen Beitrag angesprochene fehlende Einarbeitung der Freiwilligen-Schnittstelle in die Ziele 2015. Drittens fehlt mir immernoch die Begründung für den Wegfall der Aufgabe „Begleitung sozialer Prozesse“.

Fazit. Einige Punkte haben sich in den letzten drei Wochen klären können. Es bleiben aber leider noch viele Fragen offen. Insgesamt bleibt meine Skepsis gegenüber dem Jahresplan 2015 bestehen.